Gewinner Bester Film 2018

Gewinner Bester Film 20182018-09-04T19:35:39+00:00
"A ROSE IN WINTER" Hauptdarstellerin Zana Marjanovic (l.) mit Regisseur Joshua Sinclair und Cineways Marketing Director Cordula Ebeling

Die diesjährige Festivaljury unter dem Vorsitz von Regisseur Ruggero Deodato hatte wahrlich keine einfache Aufgabe. Insgesamt neun Filme konkurrierten im Wettbewerb um den besten Film. Voller Leidenschaft und Hochachtung verkündete Deodato am 02.09.2018 den Gewinner – das biographische Filmdrama „A ROSE IN WINTER“ unter der Regie von Joshua Sinclair.

In eindrucksvollen Bildern des dreifach Oscar-prämierten Cinematographers Vittorio Storaro, erzählt der Film die bewegende und zugleich motivierende Lebensgeschichte der Nonne Edith Stein. Als Jüdin geboren, demonstrierte sie kompromisslosen Mut als ausgesprochene Befürworterin von Gerechtigkeit in der Frauenbewegung zu Beginn des Nationalsozialismus in Deutschland. Ihre Aktionen als Karmeliterin forderten den Heiligen Stuhl heraus, sich gegen den Holocaust zu widersetzen. Ein Weg, der zu ihrem Martyrium in Auschwitz führen würde.

Das Publikum in Wolfsburg würdigte den Film und dessen Auszeichnung mit minutenlangem Applaus. Sowohl Hauptdarstellerin Zana Marjanovic, Regisseur Joshua Sinclair, Cinematographer Vittorio Storaro, Schauspielerin Anja Kruse als auch Produzent Ruggero de Vergiliis zeigten sich sichtlich gerührt und dankbar für die Ehrung. Im anschließenden Q&A mit Festivaldirektor Dr. Michael Flintrop gaben sie spannende Einblicke in die Entstehung des Films und unterstrichen dessen überaus wichtige Botschaft.

Am 03.09.2018 überbrachte Cineways Marketing Director Cordula Ebeling die Trophäe an Zana Marjanovic und Joshua Sinclair.

Cineways Marketing Director Cordula Ebeling (l.) mit "A ROSE IN WINTER" Hauptdarstellerin Zana Marjanovic, Regisseur Joshua Sinclair und Schauspielerin Anja Kruse

FILMKRITIK

von Cineways Creative Director Benjamin Lind (veröffentlicht auf letterboxd.com)

A ROSE IN WINTER erzählt die bewegende und motivierende Lebensgeschichte der Nonne Edith Stein. Als Jüdin geboren, zeigte sie kompromisslosen Mut als ausgesprochene Verfechterin der Gerechtigkeit in der Frauenbewegung zu Beginn des Nationalsozialismus in Deutschland. Ihre Aktionen als Karmeliterin forderten den Heiligen Stuhl heraus, sich dem Holocaust zu widersetzen. Ein Weg, der zu ihrem Martyrium in Auschwitz führen würde.

Ich muss zugeben, ich hatte noch nie von Edith Stein gehört, bevor ich mir beim 7. Cineways International Filmfestival in Wolfsburg die Vorführung des Films angesehen habe. Ein wenig Vorabrecherche in ihr Leben hatte in mir sowohl Neugier als auch Vorfreude auf ihre außergewöhnliche Geschichte geweckt, die nun ihren Weg auf die große Leinwand gefunden hat.

Die Besetzung und Crew des Films hätte nicht sorgfältiger gewählt werden können – in erster Linie war es die Kombination aus Regisseur Joshua Sinclair („Jump!“, „Shaka Zulu“), Hauptdarstellerin Zana Marjanovic („In the Land of Blood and Honey“) und dem dreifach Oscar-prämierten Kameramann Vittorio Storaro („Apocalypse Now“,“Reds“,“Der letzte Kaiser“), welche dem Film seine Grundlage für Exzellenz gab.

Der Film beginnt mit einem nächtlichen Stadtbild, gefolgt von einem langsamen Kameraschwenk in ein Zeitungsbüro. Sofort wird der Zuschauer in die magische Welt des Kameramanns Vittorio Storaro befördert, in der eine jede Einstellung fast wie ein Gemälde wirkt, das zum Leben erwacht. Wir werden dem Journalisten Michael Praeger (Christian Cooke) vorgestellt, der sich mit der Geschichte von Edith Stein beschäftigt und so als Wegweiser durch die Handlung fungiert, in welcher er schließlich entdeckt, dass er selbst ein wesentlicher Teil davon ist.

Die bosnische Schauspielerin Zana Marjanovic überzeugt mit einer bewegenden, facettenreichen und ergreifenden Darstellung von Edith Stein. Sehr schnell wird einem hier klar, warum Regisseur Joshua Sinclair keine andere Schauspielerin für diese Rolle wollte. Ergänzt durch die außergewöhnliche Licht- und Farbpalette der meisterhaften Kameraführung von Storaro, wird Edith Stein ein filmisches Denkmal gesetzt, das dem Publikum eine kraftvolle Botschaft vermittelt, die man nicht übersehen oder missverstehen kann. Keine Frau auf der Welt sollte jemals Angst davor haben, ihre Meinung zu äußern, sich gegen Sexismus und Missbrauch zu wehren und zu fordern, ohne Ausnahme gleich behandelt zu werden.

Zu den Nebendarstellern zählen einige außergewöhnliche internationale Talente, die ihren jeweiligen Charakteren gekonnt Leben einhauchen. Unter ihnen sind Anja Kruse („Die schöne Wilhelmine“), Karl Markovics („Grand Budapest Hotel“), Hannelore Elsner („Die Kommissarin“), Ken Duken („Inglorious Basterds“), Alice Krige („Star Trek – Erstkontakt“) sowie Franco Nero („Django“) in einer Gastrolle.

Was diesen Film für mich auszeichnet, ist der gelungene Geniestreich, die traurige und emotionale Geschichte in einer perfekten Symbiose aus beeindruckenden Bildern, einem dezenten Soundtrack, exzellenter Regie und qualitativ hochwertiger Schauspielkunst zu verpacken. Jeder Drehort wurde sorgfältig ausgewählt und auf Film gebannt, jedes Kostüm und jede Maske raffiniert und passend bis ins kleinste Detail. Der Zuschauer wird Zeuge eines lebendigen Kunstwerks, wo die Liebe und Hingabe aller Beteiligten spürbar wird und einen bewegenden Film geschaffen hat, der mich in der letzten Hälfte dreimal zum Weinen brachte.

In keiner Minute während seiner 138-minütigen Laufzeit weckt der Film jedoch explizit Schuldgefühle für das, was während des Nazi-Regimes passiert ist – ein Gefühl, das man bei vielen Filmen leicht bekommt, wenn man Deutscher ist wie ich. Aber obwohl ich aus einer anderen Generation bin, schämte ich mich zu Recht für unsere Vergangenheit, da ich mit einem Einzelschicksal konfrontiert wurde – Edith Stein. Aber die Scham ist gesunder Natur, weil sie daran erinnert, in das eigene Herz zu schauen und sich zu fragen, wie man unsere Welt in der Gegenwart sieht und einen über die eigenen politischen und zwischenmenschlichen Ansichten nachdenken lässt.

Mit A ROSE IN WINTER haben Regisseur Joshua Sinclair und sein Team nicht nur einen Film für einen kulturell wertvollen Besuch im Kino geliefert, sondern eine Erfahrung, die einen packt, schüttelt und die Realität vor Augen führt. Das ist die Kraft des echten Kinos und verdient nicht weniger als 5 von 5 Sternen.